5 | 10 Absolventinnen Talks

Auch dieses Jahr fand auf der FYI: Konferenz wieder ein Austausch zwischen erfahrenen Informationsdesigner_innen und Informationsdesign-Absolventinnen statt. Lokalen und internationalen Designer_innen wurde eine Bühne gegeben, um ihr Wissen und ihre Projekte im Bereich Informationsdesign zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Vier Informationsdesign-Absolventinnen wurden ausgewählt, um ihre Projekte vorzustellen.

 

Verena Müller – einfach

Mit dem Thema Barrieren wurde Verena bei einem Besuch in Wien konfrontiert: überall unüberwindbare Stiegen, aber auch Schilder, die in ihre Komplexität kognitive Barrieren darstellen. Ihre Abschlussarbeit „einfach“ widmet sich der Rolle der Gestaltung, die beitragen kann kognitive Barrieren zu reduzieren. Natürlich geht es dabei vor allem um Menschen, die eingeschränkte Ressourcen haben.

Verena hat sich mit der Verarbeitung von Lesen und Verstehen und mit Menschen, die ein reduziertes kognitives Lexikon haben, beschäftigt. Konkrete Ansätze sind das Weglassen irrelevanter Reize, einfachere Sätze, leichtere Wörter sowie eine bessere Gliederung und eine lesbare, leserlichere Schrift. Auch die Entscheidung für besondere Papiere sollte bewusst und nur mit besonderem Informations-Grund getroffen werden.

Positiv zu bewerten sind Bilder und Grafiken, die die Aussage des Textes unterstützen und verständlicher machen. Und letztlich kommen diese Maßnahmen auch älteren Menschen und Nicht-MuttersprachlerInnen, und somit eigentlich allen Menschen zugute.

Behance

 

Giovanna Reder – virtual boundaries – state of the (un)known

Mit Hilfe von Informationsdesign eröffnen sich Perspektiven. Giovanna hat ausgelöst durch die Verfügbarkeit von Google Street View darüber nachgedacht, wie unterschiedlich Staaten mit Kommunikation umgehen. Die Illusion des grenzenlosen Internets ist schlichtweg falsch; virtuelle Grenzen entstehen und sind ein Abbild von geopolitischen Grenzen und Kämpfen um Macht und Ressourcen.

Um Kommunikation zu begrenzen, gibt es zwei gängige Strategien: 1. Kommunikation zulassen und überwachen; 2. Kommunikationsströme der Opposition sperren. Basierend aus diesen und weitere Informationen hat Giovanna je einen Score für 76 Länder erstellt, der anzeigt, wie offen/frei ein Land ist. Auffällig ist dabei, dass Überwachungstechnologien meist aus Ländern stammen, die sich selbst als sehr wenig restriktiv darstellen, wie Deutschland und die USA. Giovannas Infografik-Projekt macht diese unsichtbaren Grenzen der Länder im virtuellen Raum sichtbar.

Behance
Atelier Voyage

 

Pia Denker – Signaletik in Gesundheitsbauten

Ausgelöst durch persönliche Erfahrungen in Krankenhäusern, hat Pia ein Handbuch für Gesundheitsbauten erstellt. Dieses soll nicht nur die Orientierung für PatientInnen vor Ort verbessern und die Verwirrung reduzieren, sondern er hilft auch ÄrztInnen und dem Personal, mehr Zeit mit ihrer eigentlichen Arbeit zu verbringen, statt Wege von A nach B zu erklären. Das an einem konkreten Beispiel in Berlin entwickelte Handbuch ist allgemein gehalten und für sämtliche Gesundheitsbauten anwendbar. Es enthält klare Handlungsanweisungen und eine Check-Liste.

 

Julia Singer – Migration in Europe causes many deaths

Um zur einseitigen Berichterstattung über Migration einen Gegenpol zu zeigen, wurden Daten aus The Migrant files und Missing Migrants aus den Jahren 2000 bis 2018 zusammen geführt und eine neue Datenvisualisierung erstellt. Unter der Projektwebsite finden sich Darstellungen darüber, wie viele Menschen auf ihrem Weg nach Europa gestorben sind und verloren gegangen sind. Durch die Art der Visualisierung können auch die Orte, an denen häufig etwas passiert und wie viele Menschen dort jeweils betroffen waren, gezeigt werden. Mittels Tooltip können noch Zusatzinfos, z.B. zu politischen Hintergründen oder historischen Ereignissen nachge- lesen werden. Das Projekt wurde gemeinsam mit Katharina Mayrhofer umgesetzt.

migrationeuropedeaths
Behance