Neuraths’s Isotype

Eva Mayr
Donau Uni Krems

Neuraths’s Isotype, eine kognitions- und kommunikationswissenschaftliche Analyse

Ausgehend von einem für Neurath begeisterten Kollegen wurde im Zuge eines geförderten Projekts in Zusammenarbeit mit der Wiener Zeitung die Isotype aus kognitiver Sicht beleuchtet. Otto Neuraths Ziel, die Menschen soweit zu informieren, dass sie sich dann selbst weiterbilden können und selbst kalibrieren können, führte zur Entwicklung der Isotype: einer Bildschrift, deren Bilder jeweils für ein Ganzes stehen und die Inhalte stark vereinfacht. Zu Neuraths Zeiten gingen die Menschen dann ins Rathaus, um sich im Zuge seiner Ausstellungen zu informieren.

Otto Neuraths Methode wird auch heute wieder aufgegriffen und verwendet, um Infografiken zu erstellen. Die Fragestellung ist jedoch, ob diese Methode die Grafiken wirklich verbessert und wie die Methode für heutige Zwecke übernommen werden kann. Somit wurden zunächst die Vorteile der Isotype hinsichtlich ihrer Rezeption erforscht: 1. Menschen sind gut in der Simultanerfassung: kleine Mengen kann man gut lesen. 2. Die Ikonizität unterstützt das Verstehen. Die figurativen Darstellungen steigern zwar nicht unbedingt die Verständlichkeit, aber die Aufmerksamkeit. 3. Die semantische Information trägt dazu bei im Gedächtnis zu bleiben. 4. Die ästhetische Präferenz bewirkt zwar nur einen Unterschied für den ersten Eindruck, aber dabei ist sie sehr wichtig.

Es gibt Studien, die sich mit der Wirksamkeit von Infografiken mit und ohne Piktogrammen im Vergleich befassen. Dabei wurde kein Unterschied festgestellt. Allerdings könnte das auch am Studiendesign liegen, das immer nur sehr simple Infografiken untersucht hat. Die Studie der Donau Uni Krems dazu hat ergeben, dass die unterstützende Wirkung von Piktogrammen umso größer ist, je komplexer die Grafik.

Heute verfügen wir über tolle Zusammenstellungen von den unterschiedlichen Chart-Typen, die für jeweils unterschiedliche Aussagen und Datenpunkte eingesetzt werden. Eva hat anhand des Data Visualization Calatogue überprüft, welche Arten von Visualisierung Neurath bereits umgesetzt hat: erstaunlich viele! Was uns allerdings fehlt ist das Wissen darüber, wie die Isotype Figuren erstellt wurden. Unter dem Begriff „Transformation“ wird zusammengefasst, wie aus einer Idee, aus Daten, eine simple Isotype-Form wird – und dieser Prozess bleibt für uns weiterhin unerklärt.

Beim Einsatz von Isotype-Prinzipien heute ist vor allem auf folgendes zu achten: zählbare Einheiten verwenden, keine proportionale Skalierung, Zahlen runden, keine kleinen Details (Kommastellen u.ä.). Spannend ist auch die semantische Information der Isotype, denn sie gibt einem Datenpunkt eine Identität und somit einen Anhaltspunkt zum Storytelling. Als wunderbares Beispiel dazu wird das Projekt „The Fallen of World War II“ genannt.

Isotype Visualizations. A Chance for Participation & Civic Education