Enrico Bravi
Informationsdesigner und Professor an der New Design University

Enrico ist Professor für Grafik- und Informationsdesign an der NDU in St. Pölten. Man kann sich mit ihm immer über generative Gestaltung, Grids, die Wahl des richtigen Papiers für ein Druckprodukt oder auch Briefmarken unterhalten.

Enrico Bravi hat Sarah, Franziska, Reiner und Katrin als ersten Studiengang zum BA-Abschluss in Informations- und Grafikdesign begleitet. Außerdem hat er mit der „Klassenfahrt“ zur INCH in München den Anstoß gegeben, dass eine Infodesign-Konferenz eine gute Sache sein könnte, und die Schritte dorthin beratend und unterstützend begleitet.

 

Fragen an Enrico Bravi von FYI:

Du warst auf der ersten FYI: Konferenz für Informationsdesign. Wie war’s? Was hat Dir besonders gut gefallen?

Es war für mich sehr spannend unter den internationalen Speakern sowohl KollegInnen als auch ehemalige StudentInnen zu sehen: eine gute Mischung, auf der Bühne und auch im Publikum! Die klare und schlanke Struktur mit drei Sessions und unterschiedlichen Formaten, die für einen guten Rhythmus gesorgt haben, finde ich auch sehr gelungen.

 

Braucht Wien wirklich eine Konferenz für Informationsdesign?

Ja, Wien scheint – besonders in Verbindung mit der Arbeit von Otto Neurath – fast prädestiniert dafür zu sein. Genauso aber auch viele andere Städte, große und kleine, wo ein Diskurs zur Entwicklung und Verbesserung beitragen kann.

 

Würdest Du Dich als Informationsdesigner bezeichnen? Wenn ja, warum?

Ein großer Teil meiner täglichen Arbeit (in der Lehre, in der Forschung, aber auch in der Praxis) hat mit Informationsdesign zu tun. Aber das ist nicht alles. Der Kontext, das Ziel, der Prozess, die Methodik und auch die Ethik, die hinter der Arbeit stecken, definieren für mich einen Designer und seine Haltung. Es wäre schade, das rein auf ein Etikett zu reduzieren.

 

Was verstehst Du unter Informationsdesign? Wie würdest Du diesen Begriff definieren?

Kurz gesagt: the design of understanding. Aber auch die Interpretation von Informationsdesign als „non persuasive“ (den Menschen nützliche Informationen geben) im Gegensatz zu „persuasive“ Kommunikation (Menschen dazu verleiten Dinge zu kaufen) finde ich interessant: im öffentlichen Raum von Städten nehmen wir mittlerweile hin, täglich von visuellen Reizen der Werbung überflutet zu werden; doch es müsste nicht so sein.

 

Was war für Dich das Schlüsselerlebnis im Bereich Informationsdesign? Wann hast Du verstanden, was genau dieser Beruf bedeutet, wofür wir InformationsdesignerInnen brauchen?

Das Manifesto von Ken Garland „First Things First“ war und ist für mich extrem wichtig um zu definieren, wo ich als Designer stehe. Die erste Version wurde 1964 veröffentlicht; damals war – dem Autor nach – Design in Gefahr seine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber zu vergessen. Der Begriff Informationsdesign erscheint erst in der zweiten Version vom Manifesto, im Jahr 2000, aber war im weiteren Sinne schon immer zwischen den Zeilen zu finden.

 

Die NDU bietet sowohl eine Bachelor- als auch eine Masterausbildung (Innenarchitektur und visuelle Kommunikation) im Bereich Informationsdesign an. Was ist das Besondere an dieser Ausbildung?

In Bachelorstudium werden die drei Hauptbereiche des Informationsdesign (Editorial, Digital und Environmental) angeboten. Die Studierenden haben hier die Möglichkeit sich zu orientieren und zu verstehen, was die Disziplin zu bieten hat. Im MA gibt es die Möglichkeit zur Vertiefung und Spezialisierung.

 

Du hast den Großteil des FYI:-Teams an der NDU unterrichtet. War mit dieser Entwicklung aus Deiner Sicht zu rechnen?

Jein. Im Nachhinein sehe ich natürlich, dass das Team sich sehr gut ergänzt, durch unterschiedliche Erfahrungen und Expertisen, die zusammentreffen. Es ist auch kein Zufall, dass vier der fünf Mitglieder vom Team im ersten ID-Jahrgang waren: wenn man eine Art „Pionierarbeit“ – innerhalb einer Institution – geleistet hat, ist es fast zu erwarten, dass ein gewisses Streben nach neuen Entdeckungen bleibt.

 

Was erwartest Du von der nächsten FYI: Konferenz für Informationsdesign? Was wünscht Du Dir?

Es soll weiterhin für Inspiration sorgen, aber auch zum Nachdenken bringen. Fragen generieren. Unterschiedliche Perspektiven zeigen und manchen sogar eröffnen. Die Frische und Unschuld vom Anfang nicht verlieren. Es soll nicht zu perfekt werden und weiterhin einen guten Austausch ermöglichen.

Noch einmal Gratulation zur gelungenen Konferenz!