Langeweile? Infodesign ist überall!

Katrin Beste
Infodesignerin

Katrin ist eine spät berufene Infodesignerin, die außerdem gerne schreibt. Sie ist seit 01/2018 selbstständig, arbeitet im Bereich Signaletik und fotografiert folglich auch in der Freizeit dauernd Schilder und Piktogramme.

Langeweile?
Infodesign ist überall!

Das Gute am Infodesignerin sein ist definitiv, dass es eigentlich fast unmöglich ist, dass einem langweilig ist. Als in ich die höheren (aus meiner Sicht!) Sphären des Zeichnens aufgestiegen bin, hat es schon begonnen: sinnlos in die Gegend starren? Irrtum. Das nennt man Schattenstudie. Oder einen Menschen zu lange beobachten? Kann passieren, wenn man sich überlegt, welche unterschiedlichen Farben man verwenden würde, wenn man dieses Gesicht versuchen würde zu zeichnen.

Flughafen, Museum, egal wo

Als Infodesignerin am Flughafen ist es total super. So wie für andere im Museum. Aber von einer Kunstrichtung, die man auch gerne mag. Überall Beschilderungen, Piktogramme, Farbkodierungen, die man studieren kann. Das kann man mal eben so nebenbei („interessanter Winkel, in dem sich die Person über das Kind, das es wickelt, beugt“). Oder auch detailliert, warum beispielsweise sind die meisten Piktogramme „ohne Hintergrund“, also z.B. weiß auf schwarz, nur der Raucherbereich weiß auf blau? Dass der Defibrillator auf grünem Hintergrund ist, kann man sich noch erklären, auch wenn Gate F (grün, Wien Schwechat), Defi und Notausgang somit eine seltsame Sinneinheit bilden.

Ähnlich ist es im Museum, nicht nur weil es dort natürlich genauso beschilderte WCs, Ausgänge und Schließfächer gibt. Im Museum macht es Spaß, das Konzept hinter der Ausstellung zu verstehen, sich zu überlegen ob die eingesetzte Farbe einem System folgt und wenn ja, welchem? Hat die ausgewählte Schrift einen speziellen Grund, neben Lesbarkeit, vielleicht auch Geschichte, Epoche? Und die Profis unter uns beschäftigen sich wahrscheinlich damit, ob sie die Handschrift eines Berufskollegen, einer Berufskollegin erkennen, bevor sie im Internet nachschauen, ob sie recht hatten.

Bei den meisten Museumsbesuchen kommt noch hinzu, dass die meisten Ausstellungen zumindest an irgendeinem Punkt Vergangenheit darstellen. Dann kann man zusätzlich ältere Schriften studieren, gestaltete Flächen, Vervielfältigungs- bzw. Drucktechniken, und, und, und.

Warum das Benutzen jeglichen Verkehrsmittels, insbesondere der öffentlichen, spannend ist, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Wann wird welche Information serviert? Finden sich andere Menschen zurecht? Wenn nicht, scheint es ein Problem zu sein, dass eine bestimmte Gruppe Menschen mehr betrifft als andere? Welches Material wird für Infoträger verwendet? Sind sie hinterleuchtet? Erkennt man nachträgliche Änderungen? Vielleicht wäre es doch auch schön, wenn es mal langweilig wäre. Und dabei habe ich noch nicht mal das Aha-Erlebnis erwähnt, wenn man die Norm für taktile Bodenkennzeichnung gelesen hat und sich danach im öffentlichen Raum bewegt …

Gut gemeint

Wichtig ist wohl, dass diese Neugierde, die die Langeweile abhält, nicht ins Negative kippt. Damit ist das ständige Kritisieren, das Beschweren über schlechte Gestaltung, das Ärgern über Unklarheit und schlechte Umsetzung gemeint. Dazu gibt es mehr als ausreichend Anlass, einerseits weil gut gemeint nicht unbedingt gut gemacht bedeutet. Zu sagen, dass es da draußen einfach viel mieses Infodesign gibt, steht mir nicht zu. Andererseits führen Lernprozesse immer dazu, dass man erkennt, was nicht optimal gelöst ist. Und zu formulieren was schlecht ist, ist wesentlich einfacher als es selbst besser zu machen. 

Mach’s doch besser

Dadurch ergibt sich ein nächstes Gebiet, das die Langeweile unmöglich macht: es selbst versuchen besser zu machen. Das fördert das Verständnis gegenüber BerufskollegInnen. Das bringt Übung. Das kann unter Umständen zu Aufträgen führen. Aber auf jeden Fall bringt es als InfodesignerIn die Gewissheit, dass die Arbeit nie ausgeht.