i-kiu ist die Agentur für Multimedia Lösungen. i-kiu kümmert sich um große und kleine Projekte: innovativ, mit Konzept, voller Ideen und umsetzungsorientiert im Sinne der Kunden und Auftraggeber. Als Partner der FYI: 2019 wollte i-kiu die Erfahrungen der Teilnehmer_innen nutzen. So wurde an alle die Frage gestellt: „Worauf achtest du bei deiner Arbeit in Bezug auf Barrierefreiheit besonders?“.

Um den Aspekt der Frage, worin „deine Arbeit“ besteht, später richtig einordnen zu können, hatte jede Berufsgruppe eine eigene Farbe. Jede_r Besucher_in musste bei der Konferenz-Registrierung einen Legostein in seiner/ihrer Farbe nehmen und die Frage in der sich laufend aufbauenden Infografik beantworten.
An der Befragung haben fast 100 Personen teilgenommen, somit entsprechen die Anzahlen der Steine in etwa Prozent, also z.B. 3 Steine = 3%. Pro Person durfte nur ein Stein gesetzt werden, somit wurde wahrscheinlich das persönlich wichtigste Kriterium ausgesucht.


15% Schriftgröße

8 Grafik-Design – 2 Sonstiges – 1 Datenvisualisierung – 1 UX Design – 1 journalistische Infografik – 1 In Ausbildung

Die Schriftgröße ist das drittwichtigste Kriterium dieser Umfrage. Vielleicht ist es auch deshalb so wichtig, weil es als Gestalter_in im Bereich des Beeinflussbaren liegt und auch im Alltag sehr konkret auffällt. Schriftgröße ist in allen Medien relevant, auf dem Screen genauso wie in gedruckter Form. Warum es für Signaletiker_innen (rot = 0) nicht relevant ist, liegt vielleicht daran, weil sich diese Berufsgruppe sowieso, auch unabhängig von Barrierefreiheit, mit Leseabständen, Lesegeschwindigkeit und Platzierung von Text im Raum – und somit vielleicht eher mit einer relativen als mit einer absoluten Schriftgröße – auseinandersetzt.

Natürlich kann Schriftgröße aber in keinem Arbeitsbereich losgelöst von anderen Kriterien betrachtet werden: Schriftfarbe und Kontrast zum Hintergrund sind ebenso relevant wie die Schriftart an sich. Allerdings kann, gerade bei klaren Designvorgaben zu Schrift und Farbe, zumindest die Schriftgröße so weit erhöht werden, dass sie laut WCAG Richtlinien als ausreichend barrierefrei bewertet wird.

Kontraste lassen sich relativ einfach mit einem Online-Kontrastrechner überprüfen: Contrastchecker


3% Schriftart

3 Grafik-Design – 1 Sonstiges

Wenig Beachtung hinsichtlich Barrierefreiheit findet die Schriftart. Das könnte daran liegen, dass Schriften von Kunden oft vorgegeben sind und es somit hier keinen Handlungsspielraum gibt. Die zweite Erklärung wäre, dass gut leserliche Schriften allen Menschen zugute kommen: große Punzen, hohe x-Höhen machen Schriften meist grundsätzlich besser und schneller erfassbar. Da auch beispielsweise die kostenlosen Google Fonts darauf achten, werden die im Web eingesetzten Fonts grundsätzlich immer barrierefreier.

Tipps zur Wahl einer barrierefreien Schrift


22% Farbe/Kontrast

6 Grafik-Design – 3 Signaletik – 3 Datenvisualisierung – 3 Sonstiges – 2 UX Design – 2 journalistische Infografik – 2 In Ausbildung

Die Farbe und der somit resultierende Kontrast ist das wichtigste Kriterium für die Teilnehmer_innen, insbesondere für Grafik-Designer_innen. Hier spielt die Tatsache, dass Farben auf dem Screen anders wirken als gedruckt, eine wichtige Rolle. Auch die Möglichkeit, dass man am Screen Farben verändern kann und in Printprodukten natürlich nicht, muss Beachtung finden. Kontrastrechner helfen, sich im sicheren Kontrastbereich von Normen und Richtlinien zu bewegen.

Kontrastrechner


0% Strichstärke


17% Positionierung/Platzierung

4 Datenvisualisierung – 3 Grafik-Design – 2 Sonstiges – 2 UX Design – 2 In Ausbildung – 2 Signaletik – 1 journalistische Infografik

Wo etwas steht, ist nach Farbe bzw. Kontrast der wichtigste Aspekt. Interessant ist auch, dass viele Berufsgruppen vertreten sind. Hier zeigt sich die Gemeinsamkeit von Informationsdesign: bei allen geht es wohl um die Positionierung einer Information im zur Verfügung stehenden Raum. Signaletiker_innen meinen die Position des Informationsträgers im Raum, UX Designer_innen verstehen darunter die Stelle, an der sich der call-to-action-Button befindet, und im Bereich Datenvisualisierung kann die Position die (intuitive) Lesereihenfolge, die Abfolge einer Grafik, beeinflussen.

Gerade im UX Design kann man sich auch das intuitive Verständnis der User_innen zunutze machen: ein X am rechten oder linken oberen Rand einer Box benötigt keine weiteren Erklärungen. Mehr zu Erwartungen bzw. Frustrationen von User_innen hinsichtlich Positionierung zeigt diese Website sehr deutlich: Userinyerface


6% Weißraum

2 Grafik-Design – 2 In Ausbildung – 1 UX Design – 1 Game Design

Weißraum kann Inhalte komplex oder einfach erscheinen lassen; er hilft, bestimmte Inhalte zu fokussieren und er gibt Inhalten Struktur. Das gilt nicht nur für Barrierefreiheit.
Auftraggeber meinen oft, gerade bei Printprodukten, man müsse den Platz optimal ausnutzen – und meinen damit: vollstopfen. Gerade im digitalen Bereich, wo mehr Weißraum auch nicht mehr kostet, sollten Inhalte Luft haben zu atmen, sich voneinander unterscheiden, Platz lassen.


10% Bild-Text-Kombi

4 Datenvisualisierung – 2 journalistische Infografik – 2 In Ausbildung – 2 Sonstiges

Dass gerade Gestalter_innen im Bereich Datenvisualisierung und journalistische Infografik das Thema Bild-Text-Kombination wichtig ist, überrascht nicht. Das Gegenteil davon, die Text-Bild-Schere, könnte als Mittel zur Aufmerksamkeitserregung genutzt werden, ist aber wohl in Zeiten der aktuellen Lesegewohnheiten wenig zielführend. Menschen sollen, gerade im digitalen Bereich, über Bilder zum Text gelockt werden. Bilder können schneller Emotionen und komplexe Inhalte transportieren; man bleibt „hängen“. Umso wichtiger, dass die Kombination aus Bild und Text passt, an der richtigen Stelle aufeinander trifft und barrierefrei zugänglich ist.


3% Textstruktur

2 Grafik-Design – 1 Datenvisualisierung

Dieses Ergebnis überrascht. Eine bessere Gliederung von Texten verbessert grundsätzlich die Erfassbarkeit. Zwischenüberschriften im Web helfen jedoch nicht nur den User_innen, sondern optimieren auch Suchmaschinen-Ergebnisse. Screenreader können Texte wesentlich sinnvoller wiedergeben, wenn einen entsprechende Struktur hinsichtlich Überschriften, Listen, Links, Zitaten etc. angelegt ist.


12% Piktogramme

6 journalistische Infografik – 2 Grafik Design – 2 UX Design – 1 Datenvisualisierung – 1 In Ausbildung

Piktogramme, ein klassischer Arbeitsbereich von Signaletiker_innen, wird von dieser Berufsgruppe nicht als relevant hinsichtlich Barrierefreiheit bewertet. Für Infografiker_innen und einige andere ist er aber umso wichtiger. Der Grund liegt wohl darin, dass Piktogramme verkürzen können. Sowohl im gedruckten als auch im digitalen Bereich werden häufig Piktogramme mit Text eingesetzt und werden teilweise auch schon erwartet, weil gelernt. Klassisches Beispiel: der Einkaufswagen bzw. -korb. Gerade bei kleinen verfügbaren Flächen wie Smartphone oder einer journalistischen Infografik helfen Piktogramme Inhalte plakativ zu verkürzen und den Platz für anderes zu nutzen.

Es gibt spezielle Piktogramme, die auf besondere Angebote für eingeschränkte Benutzer_innengruppen hinweisen, wie beispielsweise das Piktogramm für induktive Höranlagen. Für alle Piktogramme gilt aber immer: sie müssen gesehen werden – für Blinde sind sie also nicht geeignet – und sie müssen verstanden, also meist vorab gelernt werden. Austrian Standard bemüht sich schon lange, einen entsprechenden Standard und somit eine Einheitlichkeit durch entsprechende ÖNORMEN für grafische Informationen in der Öffentlichkeit zu etablieren.


0% Tastaturbedienbarkeit

Tastaturbedienbarkeit betrifft naturgemäß vor allem Informationsdesigner_innen, die im digitalen Bereich arbeiten. Tastaturnutzer_innen im Web navigieren vor allem mit der Tabulatortaste. Dazu ist eine entsprechende Struktur der Elemente der Website, die verständlich und logisch nachvollziehbar ist, für Screenreader und Tastaturnutzer_innen gleichermaßen von Vorteil. Es hilt jedoch auch allen Benutzer_innen, wenn eine klare Struktur eine Website erkennbar ist.


10% Sonstiges

6 Sonstiges – 1 Datenvisualisierung – 1 Grafik Design – 2 In Ausbildung

Dass vor allem Menschen, die im Arbeitsumfeld „sonstiges“ arbeiten auf die Frage mit „Sonstiges“ geantwortet haben, hat fast philosophischen Charakter 🙂 Mehr konkretes lässt sich darüber nicht sagen. Wir freuen uns aber über Rückmeldungen, was Euch SONSTIGES noch wichtig gewesen wäre zum Thema Barrierefreiheit zu erwähnen.


2% achten nicht auf Barrierefreiheit

1 Datenvisualisierung – 1 journalistische Infografik

Auch hier wäre spannend herauszufinden, warum 2% der Teilnehmer_innen nicht auf Barrierefreiheit achten. Hat es in ihrem Arbeitsalltag tatsächlich keine Relevanz? Oder haben sie sich mit dem Thema noch nicht auseinander gesetzt? Wir leisten gerne Überzeugungsarbeit.


Für i-kiu ist das Abbauen von Barrieren eine Herzensangelegenheit. Für uns ist es selbstverständlich, bei allen Projekten Barrierefreiheit mitzudenken. Umso mehr freuen wir uns, dass dieses Thema zunehmend in Leitfäden und Normen berücksichtigt wird und so kontinuierlich die Situation für Beeinträchtigte verbessert wird. Je mehr Menschen einen Text lesen, eine Anwendung nutzen, auf einer Website navigieren können, umso sinnvoller ist unsere Arbeit.

i-kiu