Visuelle Sprache als neue Hauptsprache der digitalen Gesellschaft

Ravena Hengst
Ravena

Die Berliner Kommunikationsdesignerin entwickelt zunächst detaillierte Konzepte, bevor es ans Gestalten geht. Thematisch deckt sie Projekte von Design Democracy über Verschwörungstheorien bis zur Bedeutung der visuellen Sprache in unserer digitalen Gesellschaft ab.

Visuelle Sprache als neue Hauptsprache der digitalen Gesellschaft

Anhand von Emojis führt uns Ravena die digitale Sprache der heutigen Zeit vor Augen. Emojis helfen, die Steifheit aus der Kommunikation rauszunehmen; Bild- und Wortsprache verschmelzen. Dass Emojis auch eine politische Aussage haben können, zeigen die letzten Erweiterungen: 2015 kamen vielfältigere Hautfarben hinzu, 2016 mehr arbeitstätige Frauen, 2017 die genderinklusiven Emojis, 2018 wurden die Frisuren adaptiert und seit 2019 gibt es Menschen mit Behinderungen und gleichgeschlechtliche Paare in üblichen Emoji-Sets.

Wichtiger ist Ravena aber das Hinweisen auf das vorherige Fehlen, die ungewollte Exklusion, die Benachteiligung, auch in der Gestaltung. Als GestalterInnen tragen wir Verantwortung und wir sollten besonders an Nicht-Dargestelltes denken. Auch über das Medium, wie Kommunikation zu anderen kommt, sollten wir nachdenken: heute kommt Kommunikation meist über Bildschirme und meist mit Zeitversatz zu anderen. Wo früher ein vertrauenswürdiges Gegenüber saß, steht heute die Anonymität des Internets. Memes sollen humoristisch sein, sind aber auch ein Beispiel dafür, wie Humor unsere Grenzen für das, was man nicht sagen darf, herabsetzt.

Infografiken haftet ein seriöses Image an, sie wirken überzeugend, so wie sie auch den Blick lenken und rein textlich gestaltete Informationen überhaupt erst lesbar machen können. Somit werden sie natürlich zur Meinungsmache eingesetzt. Und als GestalterIn sollte klar sein, dass damit ein Fokus gesetzt wird. Somit ist Design nie neutral, es ist immer eine Entscheidung, eine Auswahl.

 

Ravena
Designdemocracy